„Fast einhundert Menschen im Trance Tanz Presenter Training sitzen erwartungsvoll aufgeregt auf dem Boden. Wir haben schon zwei Tage getanzt. Musik, Atmen, Bewegen, wobei die äußere Form bedeutungslos ist. Es geht um innere Erfahrungen, und in diesem speziellen Trance Tanz um Festhalten und Loslassen. Mein Thema.

Ich lege meine Augenbinde an und lausche dem tiefen Klang des OM, der aus den riesigen Boxen kommt. In meinem Bauch vibriert es. Ich spüre meinen Herzschlag. Der Trance Tanz Leiter lädt uns ein tief zu atmen und uns im Sitzen selbst festzuhalten.“  weiterlesen

Das schrieb Dirk 2015 in unserem Blog zu seinem ersten Trance Tanz Presenter Training.

Inzwischen hat Dirk eine Vielzahl weiterer Trancetänze absolviert. Besonders beeindruckt hat mich der zur Evolution, bei dem wohl zu einem Zeitpunkt die Leute auf einem Haufen übereinander krabbelten. Als Urtierchen … oder was immer sie da gerade waren. Selbst Veit (Lindau) – als äußerst erfahrener Trancetanzanleiter und -ausbilder – schien das so noch nicht erlebt zu haben.

Im Rahmen seiner Ausbildungen hat Dirk schon zu vielen Themen getanzt. Zumindest erinnere ich, Annette, mich noch an die Stichworte: Krafttier sowie Animus und Anima.

Dass Dirk das Trance Dance Presenter Training bereits mehrfach hinter sich hat – und im Moment schon das nächste plant – hat ganz sicher nichts damit zu tun, dass er begriffsstutzig wäre und die Hinweise für Anbieter noch nicht verstanden hätte.

Was auch immer für ihn da drin steckt, ich als Partnerin kann das nur gut finden. Denn die Erfahrung lehrt, dass wir zusammenwachsen, wenn jeder für sich sein höchstpersönliches Bewusstseinstraining betreibt. Mein Bild ist, dass die eigene Klarheit und Authentizität den Weg für echte Begegnung öffnet. Und wenn das heißt, dass wir uns dann müheloser verstehen, ist das die gute Nachricht ;-). Es kann ja auch sein, dass wenn die Illusionen gehen nicht mehr viel übrig bleibt.

Und das ist natürlich die große Gefahr beim Trance Tanz. Die Gefahr ist NICHT, dass man irgendwie durchdreht oder dass – im Gegenteil – gar nichts passiert.

Die große Gefahr – die in Wirklichkeit keine ist ;-)- besteht darin, dass ich etwas erfahre, das meine überkommenen mentalen Konzepte herausfordert und mir klar wird was ich verändern sollte. Das mag im ersten Augenblick unwillkommen und unangenehm sein oder zumindest ungewohnt und vielleicht verblüffend … allerdings auch nicht mehr.

Was heißt überhaupt Trance?

Der Begriff bezieht sich – vom lateinischen „transire = hinübergehen, überschreiten“ abgeleitet – auf erweiterte Bewusstseinszustände. Und zwar erweitert in Bezug auf unser normales Tagesbewusstsein.

Man kann jedoch auch den entgegengesetzten Standpunkt einnahmen – die transpersonale Psychologie tut das auch – und unser normales Wachbewusstsein als Alltagstrance bezeichnen. Wachheit gewinnen wir demnach dann, wenn wir aus der gesellschaftlichen Konsensustrance heraustreten und beispielsweise im Trancetanz wacher werden für die „echte“ innere Realität.

Tatsächlich ist das bewusste Hin-und-her-gehen zwischen unterschiedlichen Bewusstseinszuständen respektive Realitäten der „Job“ der Schamanen aller Zeiten und Orte. Dabei wird übereinstimmend die äußere Welt als die „Scheinwelt“ angesehen. Diesen Blickwinkel teilt ebenfalls die alte indische Yoga-Philosophie, die unsere äußere Welt als „Maya“ (Illusion, Schein, Trug) bezeichnet.

Welche Welt man auch immer als die „Trancewelt“ bezeichnen möchte, jedenfalls finden sich übliche Trancemerkmale durchaus auch beim Trancetanz, so wie wir ihn praktizieren: beispielsweise Veränderungen des Erinnerungsvermögens und Zeitempfindens, das Aufwallen ungewohnter Emotionen, das Auftreten eines unüblichen Muskeltonus‘ (in Richtung erstarrend oder hyperaktiv) und unwillkürliche Bewegungen.

Höchst interessant sind in diesem Zusammenhang die Forschungen von Anna Wise, deren Standardwerk seit 2017 endlich in deutscher Übersetzung vorliegt: Awakened Mind Training – Ein Hirnwellen-Trainingsprogramm: Ein Praxisbuch für Kreativität, Gesundheit und Erfolg. Messbare Gehirnwellenmuster entsprechen unterscheid- und erfahrbaren Bewusstseinszuständen … und man kann lernen, in diese gezielt einzutreten.

Was hat es mit dem Tanzen auf sich?

Definitiv soll unser Trance Tanz Ritual dabei helfen in erweiterte Bewusstseinszustände zu gelangen. Gemeint sind solche Bewusstseinszustände, die über das normale denklastige Alltagsbewusstsein hinausgehen.

Allerdings sind diese Zustände – auch in unserem Alltagsleben – so besonders wiederum auch nicht. Die häufig bei Kindern zu beobachtende konzentrierte Versenkung in eine Tätigkeit kann man schon als leichte Trance bezeichnen. Auch bei Aktivitäten wie Sport, Sex, hingebungsvollem Gärtnern, Malen oder anderen Lieblingsbeschäftigungen in die man selbstvergessen eintaucht, können ganz natürlich tranceartige Bewusstseinszustände auftreten. Zu den traditionellen Wegen in die Trance gehören übrigens bestimmte rituelle Körperhaltungen und rhythmische Klänge. Ganz allgemein gesagt besitzen repetitive sprachliche und rhythmische Sinnesreize und Bewegungen – wie Trommelmusik, Tanzen und Gesänge – tranceinduzierende Wirkung. Auch rhythmische Trancemusik – wie wir sie bei unserem Trance Tanz Ritual einsetzen – fällt in diese Kategorie.

Die Übergänge vom normalen Wachzustand in die einzelnen Trancestufen sind fließend. Schon Tagträume, Phantasiereisen oder der kreative Flow sind zumindest Vorstufen, wenn nicht schon leichte Formen, der Trance. 

Exkurs: Gehirnwellen (für Interessierte)

Auf die Gehirnwellen bezogen würde man ein Muster wünschen, das neben Beta-Wellen auch entsprechend Alpha-, Theta- und Delta-Wellen enthielte, so dass Informationen oder Inhalte aus dem Unterbewusstsein oder sogar dem tiefen Unbewussten bis ins Tagesbewusstsein aufsteigen könnten.

  • Der Beta-Wellenbereich (38-14 Hz) steht dabei für das uns vertraute Wachbewusstsein mit bewusster gedanklicher Aktivität,
  • der Alpha-Bereich (14-8 Hz) für entspanntes Tagträumen, das eine Brücke zwischen Wach- und Unterbewusstsein darstellt und
  • Theta (8-4 Hz) markiert Prozesse des Unterbewusstseins wie sie beispielsweise im Traum- und REM-Schlaf stattfinden.
  • Die noch tiefere und langsamere Frequenz von Delta (4-0,5 Hz) –  die sich auf das Unbewusste bezieht – tritt normalerweise im Tiefschlaf auf, wenn alle anderen Frequenzen herunterfahren. Sie signalisiert einen tiefen regenerativen Ruhezustand.

Wenn allerdings Delta auch im Wachzustand im Konzert der Gehirnwellen mitspielen darf, entsteht dabei ein Bewusstseinszustand, der von Intuition, Empathie, Kreativität und direktem inneren Wissen gekennzeichnet ist. In der richtigen Mischung von Beta, Alpha,Theta und Delta ergibt sich der angestrebte „high-performance-“ oder „awakened mind„, bei dem Inhalte aus dem Unterbewussten oder sogar Unbewussten über die Brücke des Wachtraumzustands ins Tagesbewusstsein gelangen und bewusst und mit hohem Erkenntnisgewinn verarbeitet werden können.

Bewegung im Trance Tanz Ritual

Die Trance-Tanz-Bewegung ist frei. Sie darf so unwillkürlich und „geschehen lassend“ sein wie möglich. Deine Füße bleiben normalerweise weitgehend am Boden – wildes Herumspringen ist eher selten. Die aus dem Körper unwillkürlich aufsteigenden Bewegungen sind häufig erst einmal eher verhalten und langsam. Am Anfang des Trance Tanzes kommen schnelle und ausladende Bewegungen meist aus dem „Machen“ – besonders wenn es vertraute Bewegungsmuster sind, die du bei entsprechender Achtsamkeit auch als deine üblichen Tanzbewegungen erkennst. Diese lasse am besten gleich wieder los.

Allerdings kann beim Trancetanz auch wieder (fast) alles passieren. Gerade nach Ablauf der „Aufwärmphase“, wenn auch die unwillkürlichen Bewegungen oft heftiger werden, kann es beispielsweise vorkommen, dass sich jemand im Liegen durch den ganzen Raum rollt oder seine Arme wie Windmühlenflügel im vollen Radius und megaschnell im Raum kreisen lässt.

Wir gehen davon aus, dass alles was passiert seine Richtigkeit hat. Jede Berührung durch eine andere Person hat ihren Sinn und kann etwas im eigenen Inneren auslösen. Das gilt auch für jeden Klang.

Bei uns tanzt man mit Augenbinden und definitiv jenseits aller discomäßigen Kontaktanbahnung – auch wenn es durchaus interessante Interaktionen gibt, bei denen sich beispielsweise bestimmte Menschen im freien Bewegen in verschiedenen Ecken unseres großen Raumes blind immer wieder finden.

Die Atmosphäre – gerade auch ZWISCHEN den Tänzern und Tänzerinnen – ist durchweg kooperativ, stützend, nährend, wohlwollend, teilweise auf wirklich berührende Weise liebevoll. Wir sind sehr stolz auf unsere Teilnehmer(innen)! Auch wenn uns das eigentlich nicht zusteht ;-). 

Atmung im Trance Tanz Ritual

Unterstützt wird die Wirkung des Tanzens durch eine spezielle – stark mit Energie anreichernde -Atmung.

Wir nennen diese besondere Atemtechnik – mit Frank Natale – „Feueratmung“ (auch wenn unter gleichlautender Bezeichnung in anderen Kontexten ganz andere Atemformen damit bezeichnet werden).

Man atmet dabei zweimal direkt hintereinander – schnell oder langsam – durch die Nase ein und danach durch den Mund aus. Diese Ausatmung darf auch mit einem hauchenden oder anderen Geräusch verbunden sein – bis hin zum lauten Tönen. Auch hier ist es entscheidend, dass dies einfach geschehen darf. Wenn die Töne von alleine aufsteigen … dann lass‘ sie raus. Versuche jedoch nicht, welche zu „machen“.

Das besonders tiefe Atmen – auf diese oder auch andere Weise – wirkt mit dem Tanzen zusammen und ist extrem wichtig. Allerdings vergisst man es schnell. Wir – Dirk und ich – atmen manchmal extra laut mit, um dich als Tänzer(in) daran zu erinnern.

Was daran ist jetzt genau das „Ritual“?

Allgemein bezeichnet der Ritualbegriff eine nach vorgegebenen Regeln ablaufende Handlung mit einem hohen Symbolgehalt, der auf über das Alltägliche hinausgehende tiefere Sinnzusammenhänge verweist.

Möglicherweise sind Rituale dem einen oder anderen auch generell suspekt. Man verbindet damit schnell fremdartige Riten und Zeremonien, seltsame Kulte und exotische Religionsausübung: eine Prozession altägyptischer Priester beispielsweise oder Eingeborene, die zum Rhythmus ihrer Trommeln tanzen.

Allerdings fallen unter diesen Begriff auch vertraute und lieb gewonnene tägliche Abläufe, wie zum Beispiel das abendliche Vorlesen für die Kinder, der geliebte Morgenkaffee und das entspannende Abendbierchen.

Rituale geben Struktur, vermitteln Sicherheit oder Geborgenheit und können Sinn stiftende Wirkung entfalten. Sie werden auch eingesetzt, um zu beeindrucken und zu beeinflussen.

Ein bewusst als solches gestaltetes Ritual – wie unser Trance Tanz es ist – will eine spezifische Wirkung erzielen. In unserem Fall geht es darum, den Kontakt zu der eigenen Innenwelt bewusst zu bahnen und den Weg dahin in Szene zu setzen

Um das Unterbewusstsein zu überzeugen, dass etwas Bedeutsames geschieht und es damit zur Mitarbeit zu verlocken, brauchen wir ein paar Ingredienzien:

  • einen starken Anfang (dramatische Geste, Worte des Gebets oder der Begrüßung, eine Musik, die Aufmerksamkeit anzieht oder irgendein Kennenlernen-Prozess)
  • geeignete Ansprache für alle Sinneskanäle (Sehen, Hören, Berührung, Geruch, Geschmack)
  • eine vertraute, berechenbare und vorhersagbare Form (damit keine Unsicherheit entsteht, die die Aufmerksamkeit zerstreut)
  • Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit (alles muss erklärt und für den Sinnzusammenhang erläutert werden)
  • Besonderheit in jeder Hinsicht (besonderer Ort; besondere Kleidung, Gegenstände, Bewegungen, Klänge)
  • Aufladung mit einer über das Alltägliche hinaus gehenden persönlichen Bedeutsamkeit (diese kann eingangs schon vorliegen und/oder sich im Verlauf des Rituals entfalten)
  • ein starkes Ende (Gestaltung analog dem starken Anfang)

Die wesentlichen Elemente decken wir in unserem Trance Tanz Ritual ab. Darüber hinaus gestaltest natürlich – und das ist das Wichtigste – DU dein Trance Tanz Ritual selbst.

DEIN Trance Tanz Ritual …

Zwar gilt Trancetanz mit seinem Alter von mindestens 35.000 Jahren als eines der ältesten Rituale der Menschheit und man kann aufgrund der tiefen Wurzeln vielleicht auch auf die grundsätzliche Bedeutsamkeit und Wirksamkeit des Verfahrens schlussfolgern.

Allerdings ist es so:  Dein Trance Tanz Ritual  wird für dich wertvoll durch DICH!

Dein Bewegen und Atmen kurbelt deine Endorphinproduktion an und verändert das Konzert deiner Gehirnwellen. Rituelle Elemente helfen dir, dein Unterbewusstsein zu beeindrucken und die gewünschten Wirkungen bis tief in den Körper hinein zu verankern. Über den Zugang zu deiner inneren Weisheit erschließen sich plötzlich Einsichten und Zusammenhänge, die dir kreative Lösungen und neuartige Perspektiven eröffnen.

So mancher Tänzer, so manche Tänzerin ging mit neuer Klarheit für den nächsten Schritt aus dem Trance Tanz Ritual nach Hause. Und das ist letztendlich schon alles was wir brauchen. Aus diesen jeweils nächsten – kleinen und großen – Schritten entfaltet sich wie von alleine unser authentischer Weg.

Und: Es gibt auch Pausen. Es kann sein, dass du plötzlich weißt: „Es ist gut. Im Moment ist nichts zu tun. Alles ist gut, so wie es ist.

 

 

Vorankündigung: Unser nächstes Trance Tanz Ritual findet am 27. Oktober 2018 statt.

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