Photocredit: Sandra DB

Gastbeitrag von Tom Richter
Tom ist begeisterter Ashtanga Yogi, Yogalehrer und Yogalehrer-Coach und gibt regelmäßig wunderbare Workshops bei uns
www.startteachingyoga.com

 

Nach meinem letzten Workshop war das Feedback einer zufriedenen Teilnehmerin:

„Nach deinem Workshop in Dresden war plötzlich bei mir die Motivation geweckt,Yoga in meinen Alltag zu integrieren. Seitdem stehe ich morgens auf der Matte;) Und ich muss sagen: nach ein paar Asanas bin ich wach. Ich glaube die Kraft, die ich da aufbringe, begleitet mich noch weit in den Tag hinein.“

Das ist genau mein Ziel.

Hol dir bei wem auch immer die Inspiration und ein paar neue „Ideen-Häppchen“, woran man bewusst arbeiten kann und übe dann täglich im für dich machbaren und angenehmen Umfang.
Denn die Wahrheit ist natürlich, dass so ein Workshop nicht die regelmäßige Praxis ersetzen kann, aber er kann durchaus das Fundament für die nächsten Monate inspirierter Selbstpraxis legen.

Und was hat das mit meiner merkwürdigen Betreffzeile zu tun?

Regelmäßige Yogapraxis bringe (fast) gar nichts? Natürlich bringt regelmäßiges auf der Matte stehen etwas: einmal die Woche Yoga bringt schonmal mehr als gar nichts. Zwei- bis dreimal die Woche baut Kraft und Beweglichkeit auf. Tägliches Praktizieren verändert dein Leben von Grund auf.

Und trotzdem könnte ein Verrückter (wie ich) noch sagen, man kann den ganzen Tag (das heißt 24 Stunden) praktizieren, und das an jedem Tag! Denn wahr ist auch, dass eine Stunde auf der Matte nicht gegen 23 Stunden alter Gewohnheiten ankommt.

Aber damit meine ich natürlich nicht, deine Yogamatte zu heiraten. Vielmehr will ich sagen,

dass du jede Handlung eines jeden Tages mit einem Schuss Bewusstheit initiieren kannst.

In dem Moment, wo dein Geist sich auf eine Handlung konzentriert, werden bereits automatisch im ganzen Körper notwendige Vorbereitungen getroffen. Stell dir beispielsweise vor, du würdest gleich 50 Meter sprinten müssen. Stell es dir JETZT vor!
Was passiert? Sofort werden deine Beine aktiviert, deine Körperspannung erhöht sich, irrelevante Gedanken verschwinden aus dem Fokus, die Ressourcen in deinem Körper wie Blutversorgung werden angepasst.

Genau das selbe passiert bei allem was wir tun. Nur nutzen wir dies sehr selten bewusst zu unterem Vorteil, nutzen es sehr selten, um unsere persönliche Realität zu schaffen.

Gleichwohl animiert dich deine Yogapraxis hoffentlich, gewohnte Bewegungsabläufe im Körper und Geist bewusst wahrzunehmen und zu hinterfragen. Aber wie gesagt bringt das insbesondere dann etwas, wenn man die erlangte Bewusstheit in den Tag hinein trägt und immer wieder anwendet.

Regelmäßigkeit rockt

Wenn du beispielsweise eine Körperübung aktiv etwa 10 Minuten übst, arbeiten die betroffenen Muskeln danach noch ca. 5 Minuten weiter an der für die Aktivität benötigten Vernetzung. Bei 3 mal 10 Minuten am Tag hat man also 15 Minuten Bonustraining, was bei einmal 30 Minuten eben nicht in diesem Umfang der Fall ist.

Aus meiner Erfahrung sind die Fortschritte enorm, sobald man über den Tag verteilt mehrere Übungsmöglichkeiten für Körper und Geist schafft. Wenn wir so jede Aktivität mit voller Bewusstheit (anstatt mit gelangweilter Routine) angehen und damit eingefahrene Abläufe neu und nach Wunsch re-programmieren, können wir nach und nach unseren Körper und Geist ganz nach Wunsch mit neuen Programmen bespielen und damit unsere Sicht auf die Welt verändern.

Sei und werde wach

Wie sitzt du, läufst du, begegnest du deinen Mitmenschen? Welche Einstellung trägst du in berufliche und private Treffen, und was ist dann deren Ergebnis? Achte mal drauf!

Hier sind 11 kurze und simple BEISPIELE, die du für dich und deine Lebenssituation anpassen kannst:

1  Nimm bewusst Atem-Snacks über den Tag verteilt zu dir, bei denen du eine Minute bewusst innehältst und tief und gleichmäßig atmest. Ähnlich einem Snack zum Essen gibt dies das kleine Extra Energie für zwischendurch, fokussiert dich und belebt den Körper (bist du müde, wachst du dadurch wieder auf – bist du gestresst, beruhigt sich der Körper).

2  Sag einem dir wichtigen Menschen täglich zwei Dinge, die du in diesem Moment an ihm oder ihr schätzt. Nur daran denken gilt nicht, du musst es tatsächlich sagen. Das hat gleich zwei tolle Auswirkungen: Dieser Mensch bekommt Klarheit darüber, dass er dir jetzt wichtig ist und du etwas an ihm schätzt und was genau das ist. Und du musst dir natürlich für dich selber erstmal bewusst machen, warum dir dieser Mensch jetzt (immer noch) wichtig ist.

3  Sag dir selber 5-10 Dinge täglich, die du an dir in diesem Moment schätzt. Wir sehen gern nur unsere „Problemzonen“, mit dieser Übung lernen wir, nach unseren angenehmen Seiten zu suchen und sie aktiv zu benennen.

4  Morgens nach dem Aufwachen, denke sofort (sobald dein Geist hochgefahren ist) an eine bis drei inspirierende Aktivitäten für den Tag und stelle dir so detailliert wie möglich vor, wie es sich anfühlen wird, diese Aktivitäten durchgeführt zu haben. Dein ganzer Körper stellt sich so schonmal auf einen spannenden tollen Tag ein.

5  Vor jeder Mahlzeit, äußere Dankbarkeit, rieche und begutachte dein Essen und kaue ganz bewusst und langsam. Auf diese Weise wird dich dein Essen noch mehr nähren.

6  Immer, wenn du dich hinsetzt, richte Becken und Wirbelsäule lang und stabil und für den Moment perfekt aus. Halte das Herzenzentrum offen und die Schultern entspannt und direkt über dem Herzen (nicht nach vorne hängend). Richte dich alle 10 Minuten neu aus.

7  Vor stressigen Beratungen im Job oder Gesprächen mit Menschen, die du nicht so magst oder die Stress in dir auslösen, gehe vor dem Gespräch alleine etwa eine Minute lang in dich und stell dir dein Gegenüber als konstruktiven, freundlichen Menschen vor (1). Baue eine Verbindung zwischen euch beiden auf (2) und entspanne deinen Körper so gut wie möglich (3). Dann baue eine aktive, aber leichte Körperspannung auf, den Beckenboden wie im Yoga leicht aktiv – mit offenem Herzen, erhobenem Kopf, und Schultern, die mit Leichtigkeit aber stabil deinen Brustkorb umschließen (4), und fokussiere deinen Geist auf die Begegnung (5). Löse jegliche nicht notwendige Spannung im Körper (6). Freue dich darauf, deinem Gegenüber aktiv zuzuhören (7).

8  Bei jeder Autofahrt starte bewusst entspannt. Freue dich auf die Fahrt an sich, nicht nur aufs Ankommen. Höre vielleicht ein spannendes Hörbuch oder einen inspirierenden Podcast, wenn du zusätzlichen Sinn für die Fahrtzeit schaffen willst. Wenn man mit dieser Einstellung losfährt, werden auch hupende Mitmenschen, ein Stau oder eine „rote Welle“ einen nicht so schnell aus der Ruhe bringen.

9  Beim Bahnfahren oder Spazieren, lächle regelmäßig fremde Menschen bewusst herzlich (im Sinne von“ von Herzen kommend“) an und erfreue dich an ihrer Reaktion (wie auch immer die aussieht).

10  (Falls du mit einem Partner zusammen lebst:) Kurz bevor du die Tür beim nach Hause kommen öffnest, spüre schonmal Freude, deinen Partner gleich von Herzen anzulächeln und zu umarmen – dann ist einem die Freude schon beim Hereinkommen anzusehen. Allerdings noch ein Tipp: trotzdem erstmal die Präsenz des Partners im aktuellen Moment spüren und offen sein auch für Ablehnung, man weiß ja nicht, wie der Tag des anderen lief – nicht sehr zielführend wäre, dem Partner Vorwürfe zu machen, weil er die Freude nicht erwidert, ein Anfängerfehler, den ich auf Basis eigener Erfahrung nicht empfehle;)

11  Und zu guter Letzt noch eine Idee, die Schlafenszeit aktiv zu beeinflussen: Vor dem Einschlafen, formuliere Dankbarkeit für den Tag und alle schönem Momente sowie das Gelernte des Tages. Gehe bewusst durch den Körper und schaffe Raum in jedem Gelenk, lege den Körper in die entspannteste Lage, entspanne bewusst jedes Körperteil und jeden Muskel, lasse bewusst vom Tag los. Dann spüre und stell dir vor, wie du am nächsten Morgen voller Tatendrang, entspannt und erholt aufwachst. Dieses Einschlaf-Ritual ist wie das aktive Herunterfahren deines Computers – du begibst dich nicht nur in einen Ruhezustand sondern fährst wirklich mal ganz vollständig runter.

Wie gesagt: Alles sehr simple Beispiele, aber man muss sie umsetzen und eine Gewohnheit daraus machen. Deshalb mein Tipp: Suche dir jetzt EINES aus und vereinbare mit dir selbst eine feste Anzahl von Tagen (vielleicht erst einmal z.B. 3 oder 7), an denen du damit übst.

Viele Grüße und eine erfolgreiche ganztägige Yoga-Praxis wünscht
Tom

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