Ich liebe dich, du Seele, die da irrt

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Ich liebe dich, du Seele, die da irrt
im Tal des Lebens nach dem rechten Glücke,
ich liebe dich, die manch ein Wahn verwirrt,
der manch ein Traum zerbrach in Staub und Stücke.

Ich liebe deine armen wunden Schwingen,
die ungestoßen in mir möchten wohnen;
ich möchte dich mit Güte ganz durchdringen,
ich möchte dich in allen Tiefen schonen.

 

Wenn du dies liest … findest du da die Güte in dir? … Würdest du dich mit der gleichen Güte auch dir selbst zuwenden?